Heute ist WeltAIDStag und da das hier in Südafrika und somit auch in Baphumelele viel mehr Wirklichkeit ist als in Europa, gab es eine Feierlichkeit. Schon die ganzen letzten Tage waren die Sisi’s und die Kinder ganz geschäftigt. Sie haben genäht, geprobt, gekocht und sonstige Vorbereitungen getroffen. Für mich hat der heutige Tag dann aber doch noch ganz normal begonnen. Aufstehen, arbeiten, Mittagspause. Aber dann um ca. 14:00 wurde es ernst. Die Kinder marschierten richtung Creche (Kindergarten) und das Gelände leerte sich.
Das Fest war quasi eine Art Vorstellung. Es gab eine Ansprache und dann kamen die ersten Kinder nach vorne und haben getanzt und gesungen. Es war auch noch eine Gruppe von Kindern aus Gugulethu da, die getanzt und Theater gespielt haben, allerdings noch gekonnter als unsere Kids, da sie das regelmäßig machen. Auf jeden Fall war es beeindruckend!
Nachdem dann irgendwann die Vorstellungen vorbei waren, konnte das große Fressen beginnen...
Um noch mal auf meine obige Aussage, dass Aids hier in Baphumelele viel mehr Wirklichkeit sei, als in Europa zurück zu kommen, möchte ich mich hier mal ein wenig zu dem Thema äußern.
Eigentlich ist es so, dass wer HIV+ ist, noch nicht AIDS hat. Auch bei den Kindern ist es in der Regel so, dass sie HIV+ sind, aber AIDS ist trotzdem Wirklichkeit hier, weil es das ist, was noch kommen wird. Den Kindern, die HIV+ sind, sieht man es nicht unbedingt an und es gibt auch Unterschiede hierbei. Haben Kinder den Virus bei der Geburt etc. von den Eltern bekommen, haut er voll rein und sie sind sofort auf Medikamente angewiesen, da Neugeborene noch sehr schwach sind. Es gibt aber auch Kinder, die sich erst später damit infiziert haben und teilweise jahrelang ohne Medikamente auskommen. Ihnen wird regelmäßig Blut entnommen und getestet.
Die CD4-Zelle, oft auch einfach T-Helferzelle genannt, ist das, was vom HI-Virus angegriffen wird. Erst wenn die Zahl der T-Helferzellen stark zurück gegangen ist, werden Medikamente eingesetzt, die die Viruslast im Körper verringern, die Viren aber nicht zerstören können. D.h. HIV-Infizierte können nicht geheilt werden.
Ich weiß nicht, wie viele Kinder hier in Baphumelele HIV+ sind. Bei manchen weiß es auch einfach keiner, weil es noch nicht getestet wurde. Wie viele Medikamente bekommen, könnte ich zählen, aber das ist mir gar nicht so wichtig. Es sind auf jeden Fall mehr als 10%, aber wie gesagt, es fällt nicht auf, wenn so ein Kind vor dir steht und für mich gibt es da auch keinen Unterschied. Ich beschäftige mich mit diesen Kindern genauso oft und gern. Manchmal sogar öfter, weil sie öfter krank sind und ich bei den medizinischen Dingen assistiere.
Am Anfang , bevor ich nach Baphumelele gekommen bin, war ich mir nicht sicher, wie ich damit umgehen würde bzw. könnte. Ich wusste nicht, ob da einfach eine unsichtbare Grenze da ist, weil ich weiß, dass sie HIV+ sind. Aber jetzt wo ich hier bin, kann ich sagen, dass das für mich kein Thema ist, dass ich das vergessen kann und ich bin wirklich froh darüber.
Unsere HIV-Kids sind oft in ihrer Entwicklung zurück. Sie haben öfter schlechte Zähne, sind viel krank, manche werden dick von der Medizin, andere haben wieder andere Nebenwirkungen zu beklagen.
Eines dieser Kinder ist Sange und Sange ist eine Geschichte für sich...
Als ich heute in das Cluster 4 ging und mit der Sisi sprach wurde sie plötzlich ganz fröhlich und aufgeregt. Wir sprachen über Sange. Ein fünfjähriger, schwieriger Junge, der schon als kleines Kind nach Baphumelele kam und in seiner Entwicklung weit zurück ist. Er spricht nicht, trägt noch Pampers und ist im sozialen weit zurück. Jedenfalls erzählte mir die Sisi nun, dass Sange am Freitag zu ihr kam und sagte, er sei hungrig.
An diesem Tag muss es bei Sange einmal „KLICK“ gemacht haben. Er spricht wie jedes andere Kind, soweit ich das beurteilen kann, und braucht auch keine Pampers mehr. Sogar über Nacht war er bisher immer trocken!
Ich würde mir einfach wünschen, dass er jetzt im Sozialen auch das nachholen kann, was er bisher nicht konnte – vielleicht auch einfach, weil er nicht in der Lage war sich mit zu teilen...
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