hier also wieder mal ein paar Infos von mir aus dem südlichen Afrika. Inzwischen bin ich schon annähernd zwei Monate hier und habe schon vieles erlebt und seit dem letzten Blogeintrag hat sich einiges ereignet.
Mein Job
Mein Arbeitsgebiet ist die Medizin. Wir haben eine Ärztin und eine Krankenschwester, die zwei bis dreimal die Woche kommen. Montags werden dann kranke Kinder angeschaut und die Medizin vom Clemens-House (für die älteren) und einige spezielle Kinder vorbereitet. Am Dienstag werden dann auch noch ein paar Kinder angeschaut und die Medizin für das Babyhaus für die nächsten Tage vorbereitet.
Den Mittwoch habe ich frei für jegliche anfallende Arbeiten. Manchmal gibt es medizinische Sachen zu erledigen (z.B. Medizin besorgen), oder Kinder zu Terminen zu begleiten.
Am Donnerstag werden dann nur Kinder angeschaut und am Freitag nur die Medizin für das Babyhaus vorbereitet.
Heute war mein erster Tag in diesem Job. Wir haben erst gestern die Verantwortlichkeiten festgelegt, vorher konnte man sich alles einmal anschauen und ausprobieren.
Trotzdem werde ich den heutigen Tag als exemplarischen Medizintag stichpunktartig aufschreiben.
07:15 Gang durch alle Häuser, um kranke Kinder für den Doktor heraus zu suchen
ca. 09:05 mit einem Kind zu einer örtlichen Klinik TB-Test-Ergebnis abholen
ca. 09:30 mit obigem Kind zu einer anderen örtlichen Klinik, um ein Röntgenbild der Lunge zu machen
10:50 zurück in Baphumelele, Beginn der Zusammenarbeit mit der Ärztin
bis ca. 14:30 ca. 12 Kinder werden angeschaut, geholt, weggebracht, behandelt
14:30 Mittagspause (bzw. einige Sachen für die Clemens-Küche organisieren)
15:30 Planungen, Ordnung der Zettelwirtschaft uvm.
18:00 Medizin für zwei Kinder vorbereiten, Ergebnisse der Untersuchungen etc. an die Häuser weitergeben
18:30 Kind mit Ekzema behandeln
… Fertig?
Der heutige Tag ist gar nicht mal so krass, denn die Arbeitszeiten variieren hier sehr. Morgen gehe ich mit zwei Kindern gleichzeitig in’s Kinderkrankenhaus und wir müssen schon um 5:45 hier los.
Es ist einfach total unterschiedlich. Mal hat man wirklich von morgens früh bis abends spät zu tun und manchmal ist man auch schon ganz früh fertig. Aber ich glaube, dass ich mit der Medizin jetzt schon etwas mehr zu tun habe, als zuvor. Grundsätzlich kann man auch sagen, dass hier immer irgendetwas zu tun ist und seien es irgendwelche Reperaturen.
Da das eine Kind über Nacht bleiben muss und schwer traumatisiert ist, weiß ich nicht, wann ich wieder heim komme… Über Nacht bleiben werde ich aber nicht.
Inzwischen hat sich hier also einiges geordnet, aber manches muss immer noch geklärt werden.
Spannend an meinem neuen Job finde ich vor allem, dass ich mit den Kindern viel Kontakt haben werde und lernen kann, mit Kinderkrankheiten umzugehen. Ich erhoffe mir davon, in Zukunft besser erkennen zu können, was ernst ist und was nicht so ernst ist und besser zu wissen, mit was ich wie umgehen kann.
Baphumelele
Diese Ordnung wird hin und wieder auch durch verschiedene unerwartete Ereignisse durcheinander geworfen. In der letzten Zeit hatten wir viele Notfälle, wo wir mit den Kindern, teils über Nacht ins Krankenhaus mussten. In solchen Zeiten gilt es dann zu improvisieren.
Im Dezember dann haben wir unsere Zwischenseminare, wo dann jeweils nur vier von acht Freiwilligen sind. Beziehungsweise, eigentlich sind wir neun, aber Allison, die neunte, arbeitet hauptsächlich im Büro, bringt sich aber gerne in die Nachmittagsaufgaben ein.
Ich selber habe mein Zwischenseminar vom 8.-12. Dezember in Hermanus – das wird sicher schön! Vor allem, weil wir dort einige von unserem Vorbereitungsseminar wieder sehen werden. Außerdem wird es sicher total entspannend, für ein paar Tage einfach mal Natur anstelle von Shacks und vielen Kindern um mich herum zu haben und ich bin sicher, dass uns die Ruhe gut tun wird.
Hier in Baphumelele kommt man kaum zur Ruhe. Auch am Wochenende ist es die Regel, dass irgendwer morgens zu unserer Flat hinauf ruft (die liegt im ersten Stock über der Wäscherei) und irgendetwas will – oft sind es die Kinder, die Spiele und Papier von uns haben wollen. Dann gilt es Ruhe zu bewahren und den Kindern geduldig zu erklären, dass wir keine Spiele mehr verleihen, weil wir sie nicht zurückbekommen haben (wir habe vielleicht noch 2 von 8) und Papier und Stifte auszugeben.
Den Freitag konnten bzw. brauchen wir nicht gestalten, da dort die Caregiver mit den Kindern Programm machten. Es gab auch ein großes Essen und ich hab das erste Mal Kuhmagen gegessen und es hat mir nicht geschmeckt.
Nach zwei Monaten hier im Township fühle ich mich schon sehr heimisch und wenn wir von einem langen Wochenende heim kommen, fühle ich mich immer wohl. Obwohl hier vieles nicht einfach ist, wir vorsichtig sein müssen und nachts hier nicht mehr wirklich raus kommen, habe ich mich mit den Umständen arrangieren können und es macht mir eigentlich nichts mehr aus.
Baphumelele wächst. Ständig kommen neue Kinder und es wird auch wieder gebaut. Die Fundamente zweier neuer Cluster stehen bereits. Allerdings ist es schon so, dass in letzter Zeit weniger Kinder neu gekommen sind. Teilweise waren es fünf täglich, aber viele kommen nach wenigen Tagen schon wieder heim, weil sie einfach nur irgendwo aufgegriffen wurden.
Auf jeden Fall sind viele Kinder hier. Viele, die tagsüber nur rumhängen, weil nicht klar ist, ob und wie lang sie bleiben werden und weil noch keine Schule für sie gefunden wurde. Bei einem Kind hieß es über Wochen, es ginge bald wieder nach Hause, aber irgendwie scheint es einfach nicht geklappt zu haben und es ist immer noch hier.
Zwei unserer Kinder sind noch immer im Hospital, aber das eine wird eventuell diese oder nächste Woche entlassen, je nachdem wie sich die Krankheit entwickelt.
Wir haben viele kranke Kinder in den letzten Wochen im Babyhaus gehabt. Sie haben sich alle gegenseitig angesteckt und auch die Windpocken grassieren in letzter Zeit hier in Baphumelele – ich selber hatte sie zum Glück schon.
Es ist nicht immer einfach Hygieneregeln hier durch zu setzten und der Kampf gegen den Durchfallvirus im Babyhaus ist nicht einfach. Kritisch ist auch manchmal, dass die Sisi’s im Babyhaus Cremes von speziellen Kindern einfach für alle benutzen und diese dann in einem Tag leer ist – klar, dass es dem speziellen Kind dadurch nicht besser geht. Immerhin schaffen sie es inzwischen echt gut, den Kindern pünktlich ihre, bereits in Spritzen aufgezogene, Medizin zu geben, was insbesondere bei den HIV+ Kinder wichtig ist. Trotzdem muss man noch immer extra bevor man mit einem Kind zu einem Termin geht nachfragen, ob es irgendwelche Medizin kriegt, denn sie denken noch selten selber daran, sie einem mit zu geben.
In manchen Clusterhäusern vergessen sie manchmal sogar den Kindern etwas zu essen und zu trinken mit zu geben. Die Folge ist dann, dass wir im Krankenhaus eine Kleinigkeit besorgen, was wir aber eher ungern machen.
Wir machen einige Spenden-Pick Ups hier und momentan gibt es Joghurt im Überfluss. Sogar wir Freiwilligen können davon essen so viel wir wollen, weil einfach sehr viel Joghurt da ist. Mittags werden sie dann immer von Rosie ausgegeben und dann stehen alle Kinder Schlange, um auch einen zu bekommen.
Eine kann man sagen: den Kindern hier geht es rein essenstechnisch nicht schlecht. Sie müssen sich zwar Betten teilen und dergleichen, aber Essen gibt es genug. Vielmehr fehlt den Kindern hier die Aufmerksamkeit, die sie in einer intakten Familie bekommen würden und die versuchen sie auf unterschiedliche Weise zu bekommen.
Viele Kinder sind auch leider in ihrer Entwicklung zurück geblieben.
Unsere Autos…
… sind ein Thema für sich. Als ich angekommen bin, hatten wir zwei Autos zur Verfügung. Eines für Bonita (der ikon) und eines (UNO) für alles andere. Tatsache war, dass das Auto regelmäßig ausging und dann an jeder Kreuzung neu gestartet werden musste. Vor einigen Wochen haben wir jetzt noch einen Tazz bekommen – leider ohne Anhängerkupplung, denn fast alle Pick-Ups müssen mit dem Anhänger gemacht werden. Ungeschickt vor allem, weil nun der UNO endgültig den Geist aufgegeben hat und wir nun kein Auto mit Anhängerkupplung mehr haben.
Der Tazz ist auch nicht ganz ohne… Man wagt eigentlich gar nicht, schneller als 100kmh zu fahren, da das Auto klappert und wackelt. Außerdem ist der Rechtsdrall nicht zu übersehen.
Der Straßenverkehr hier in Südafrika ist auch komplett anders. Oder besser gesagt in Khayelitsha und auch Kapstadt.
Stoppschilder werden hier wie „Vorfahrt achten“-Schilder betrachtet und durchgezogene Linien interessieren hier keinen. Wenn man rechts abbiegen will, kann es einem sogar passieren, dass man rechts überholt wird. D.h. man muss hier viel aufmerksamer als in Deutschland fahren, aber auch die anderen fahren viel spontaner. Und jeder von uns hat schon mal aus versehen ein Stoppschild überfahren oder die falsche Straßenseite benutzt und jeder war froh, dass die anderen Verkehrsteilnehmer damit umgehen konnten.
Freizeitaktivitäten
An einem der letzten Wochenenden habe ich mich gemeinsam mit fünf weiteren Freiwilligen auf den Weg zum Table Mountain gemacht, den wir bei schönstem Sonnenschein bestiegen. Nach dem anstrengenden Aufstieg und einer kurzen Rast ging es dann auf den Rundweg auf dem Plateau des Tafelbergs – es war wirklich ein wunderschöner Ausflug! Das Wetter war einfach gut und die Aussicht auf die False Bay (an der auch Khayelitsha liegt), Cape Town, Camps Bay und auf die Kaphalbinsel war einfach grandios!
Letztens war ich dann ein paar von meinen Freunden, die ich hier in Khayelitsha letztes Jahr bei dem Workcamp kennen gelernt habe, besuchen. Es war wirklich herzlich und bei einem Tee mit Zucker (das macht man hier grundsätzlich so) wurden Neuigkeiten und Informationen ausgetauscht. Da ich noch nicht alle Kinder wieder gesehen habe, möchte ich bald wieder dort hin, da ich das letzte Jahr und diese Menschen wirklich positiv in Erinnerung habe.
Demnächst habe ich vor einen Bekannten hier auf seiner Farm zu besuchen. Er hat dort zwei kleine Stauseen, einen kleinen Teil eines Bergs mit Wasserfall, Wald und es ist dort einfach schön. Ich hoffe sie bauen dort dies Jahr wieder Wassermelonen an…
Meine erste kleine Reise
Da ich am Samstag 20 geworden bin, sind Freddie und ich gemeinsam Richtung Cape Agulhas los gezogen. Für diesen Zweck haben wir uns bei Dollar Rent a Car ein Auto gemietet und sind Freitagabend nach Hermanus gestartet. Auch wenn wir den Rest dieses Abschnittes bereits in der Dunkelheit zurücklegen mussten, war es wunderschön. Gemeinsam mit den Freiwilligen aus Hermanus waren wir dann noch in einer Bar am Meer und ich habe so in meinen Geburtstag rein gefeiert. Ein guter Start einer wunderschönen Reise!
Der nächste Tag war einfach Traumhaft. Endlich konnte ich einmal Südafrika von der Seite kennen lernen, die man aus den Medien kennt: rote und gelbe Pisten, karge Berge und weite Landschaft. Dazu der atlantische und der indische Ozean, schöne Stände und Wale. Die ersten Strauße, Springböcke und einige Baboons.
Endlose, gerade Straßen, Luftspiegelungen, die diese nass erscheinen ließen und wunderbare Stunden am Meer. Es war wirklich ein äußerst gelungenes Wochenende und ich freue mich tierisch auf weitere Reisen und darauf, mehr von Südafrika zu sehen!
Obwohl wir nur knapp drei Tage unterwegs waren, haben wir eine unglaubliche landschaftliche Vielfalt gesehen. Vom Ozean zu unberührter Landschaft hin zu riesiegen Nutzflächen und viele einsame Häuser.
Es gibt eigentlich noch so vieles mehr zu erzählen, aber ich bin müde und morgen geht es schon früh weiter. Ich wüsste auch grad nicht, wo noch zu ergänzen und womit neu
anzufangen. Ich hoffe einfach, dass Ihr Freude beim Lesen hattet und dass ich euch dass erzählt habe, was euch wirklich interessiert.
Bei weiteren Fragen, auch rein Interesse halber, schreibt mir einfach! Über ein Feedback wäre ich euch wirklich sehr dankbar, denn woher soll ich sonst wissen, was euch interessiert und was nicht.
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